Biografie:
Anton Fendrich, Sohn eines gleichnamigen Eisenbahnbeamten und seiner Frau Margaretha Salomea, wurde am 8. April 1868 in Offenburg geboren. Er besuchte dort auch das Gymnasium, ohne jedoch das Abitur zu bestehen. Daraufhin begann Fendrich Volkswirtschaft in Zürich zu studieren. Auch dies ohne Abschluss. In dieser Zeit wandte sich Fendrich immer mehr der sozialistischen Partei und ihrer Tagesarbeit zu, was ihm 1890 die Stellung des Stellvertretenden Redakteurs der „Volksstimme in Frankfurt und noch im gleichen Jahr die des Redakteurs des „Volksfreund in Braunschweig einbrachte. 1891 reiste Fendrich als Delegierter auf den II. Internationalen Sozialistenkongress nach Brüssel. Fendrich blieb bis zu seiner Rückkehr nach Offenburg 1895 in Belgien und Frankreich und betätigte sich literarisch als Autor von Feuilletons. In Offenburg übernahm Fendrich wieder seinen Posten als Redakteur des „Volksfreund. 1898 wurde er jüngstes Mitglied der Zweiten Kammer in Baden und blieb Abgeordneter bis 1902/03. Danach führte er in Freiburg bis 1912 eine Feuilletonkorrespondenz im „Schauinsland. In dieser Zeit begann seine geistige Beziehung zu Johannes Müller. Beim Kriegsausbruch 1914 stand Fendrich zum Burgfriedenprogramm seiner Partei und begann eine vierjährige Propagandatätigkeit im Dienste des Staates als Kriegsberichterstatter an der West- und Ostfront. Im Rahmen seiner Arbeit unterhielt er Beziehungen zu hohen Militärs und Beamten. Während der ganzen Kriegszeit zeigte Fendrich sich loyal zum Staat, was ihm 1915 ein Treffen mit Wilhelm II. und Bethmann-Hollweg ermöglichte. Nach dem Ersten Weltkrieg wandte sich Fendrich in Freiburg wieder seiner Arbeit als Schriftsteller zu. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten war es jedoch Fendrich als Sozialdemokraten nicht mehr möglich zu veröffentlichen. Aus diesem Grund verdiente er seinen Unterhalt seit 1933 als Privatlehrer. Sein gesamtes literarisches Lebenswerk wurde 1946 durch den Baden-Württembergischen J. P. Hebel-Preis gewürdigt. Er starb drei Jahre später in Freiburg am 6. Januar 1949. Sein letztes größeres literarisches Werk „Hundert Jahre Tränen erschien erst nach seinem Tode im Jahr 1953.
Wissenschaftliche Bedeutung des Bestandes:
Fendrichs Bedeutung baut auf seinen literarischen Werken auf. Seine Veröffentlichungen fanden viele Abnehmer in Baden-Württemberg. Da sein Einfluss aber nicht nennenswert über die Grenzen des Bundeslandes hinausgang, kann man im Falle von Fendrich von einem regionalen Schriftsteller sprechen. Fendrichs literarische Betätigung schloss viele Literaturgattungen mit ein. Außer seinen Romanen schrieb er auch Gedichte, Theaterstücke mit Lokalbezug, Zeitungsartikel, Wanderbücher und viele Kurzge-schichten. Seine vielen hinterlassenen Manuskripte können einen guten Einblick in die Entstehung seiner Werke liefern und lassen die Möglichkeit offen, eventuell auch noch unveröffentlichte Stücke darin zu finden. Interessant für Historiker kann Fendrichs Zeit als Kriegsberichterstatter im Ersten Weltkrieg sein. Durch seine guten Beziehungen zu hohen Militärs und Beamten gewährt Fendrichs Nachlass einen Einblick in die Kriegspropaganda des deutschen Kaiserreiches. Es zeigt sich am Beispiel Fendrichs die starke, freiwillige Eingebundenheit der Mehrheit der sozialistischen Intelligenz in das Kriegsgeschehen und deren unkritische Sicht der Ereignisse.
Bestandsgeschichte und Ordnung:
Der schriftliche Nachlass von Anton Fendrich wurde am 18. Dezember 1990 durch Frau Eva Fendrich dem Stadtarchiv Freiburg als Eigentum überlassen. Der Nachlass wurde von Prof. Dr. Haumann entgegengenommen und lagerte seither unverzeichnet im Stadtarchiv Freiburg. Im Rahmen einer Anfrage an das Stadtarchiv Freiburg im Jahr 1999 wurde er von Herrn A. Lauble durchgesehen, verblieb aber unverzeichnet.
Der Nachlass Fendrich befindet sich in 13 Archivschachteln. Eine grobe Verordnung des Bestandes wurde durch Frau Eva Fendrich vorgenommen, bevor der Nachlass an das Stadtarchiv übergeben wurde. Die Schachteln beinhalten sämtliche Veröffentlichungen, Manuskripte, zahlreiche Briefe, Reden und Publikationen des Anton Fendrich.
Verzeichnung des Bestandes 2008:
Bei der Verzeichnung des Bestandes wurde die Ordnung der Schriftstücke in den einzelnen Archivschachteln nicht verändert. Die Nummerierung der Dokumente innerhalb des Bestandes entspricht nicht der Ordnung des Findbuches, sondern der Reihenfolge der Verzeichnung und der Lagerung in den Archivschachteln. Die am Beginn jeder Verzeichnungseinheit angegebene Signatur ist auch die Bestellnummer. Die einzelnen Kapitel im Findbuch sind nicht alphabetisch geordnet, sondern nach Verzeichnungsreihenfolge. Viele der Manuskripte und Publikationen erschienen im Nachlass mehrmals, wurden aber unter verschiedenen Nummern verzeichnet und im Findbuch angegeben.
Bearbeiter: Sebastian Kalla
Freiburg, im September 2008
Literatur und Verlinkungen:
-200Helmut Bender. A. Fendrich Schriftsteller und Abgeordneter Redakteur und Auslandskorrespondent. 1868-1949; in: Badische Heimat, 60, 1980, 299-303. Manfred Bosch, Anton Fendrich in: Badische Biografien Neue Folge Band III, Stuttgart 1990, S. 83 - 85 Biografie in LEO-BW: https://www.leo-bw.de/detail/-/Detail/details/PERSON/kgl_biographien/118686658/Fendrich+Anton Eintrag im Parlamentarierportal: http://www.bioparl.de/datenbanken/biosop/biosop-db/
Bearbeiterbericht 2023:
Im Juni 2023 wurde der Bestand durch Stadtarchivoberinspektor Dominique Maurice Frings in ActaPro retrokonvertiert. Dabei wurde das bereits bestehende Vorwort des Findbuchs durch die Kategorie "Literatur und Verlinkungen" ergnzt.
Freiburg, den 19.6.2023 Dominique Maurice Frings |