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    Stadtarchiv Freiburg
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    K1/169 Nikolaus Glanzner
    K1/170 Dr. Richard Kuenzer

    Vollansicht Bestand

    Signatur: K1/170
    Name: Dr. Richard Kuenzer
    Laufzeit: 1888 - 2001
    Beschreibung: Biografische Daten:

    Kurzbiografie:

     -20006.09.1875: Geboren in Freiburg i. Br.
     1893: Abitur
     1894 - 1898: Studium (Jura) in Fribourg/CH, Mnchen, Kiel und Freiburg i. Br.
     1898: I. juristisches Staatsexamen in Freiburg i. Br.
     1898 - 1902: Rechtsassessor in badischen Diensten
     1902: II. juristisches Staatsexamen in Freiburg i. Br.
     1903: Promotion an der Universitt Freiburg i. Br. (Doktorvater: Rmelin):  1 des badischen Gesetzes betreffend die berleitung der ehelichen Gterstnde des lteren Rechts in das Reichsrecht vom 4.8.1902. Eintritt in den diplomatischen Dienst des Auswrtigen Amts
     1916 - 1919: Britische Kriegsgefangenschaft
     1923: Versetzung in den einstweiligen Ruhestand
     Seit 1925: Publizistische Ttigkeit
     1925 - 1927: Direktor des Zentrumsorgans Germania
     ab 1927: Selbstndiger Wirtschaftsberater
     18.07.1933: Endgltige Versetzung in den Ruhestand
     5.07.1943: Verhaftung durch die Gestapo, Inhaftierung in Berlin bzw. Ravensbrck
     23.04.1945: Aberkennung des Beamtenstatus


    Biografie:

    Nach dem Abitur absolvierte Kuenzer als Einjhrig-Freiwilliger seinen Militrdienst. Es folgte ein Jura-Studium in Fribourg/CH, Mnchen, Kiel und Freiburg i. Br. Danach trat er als Rechtsassessor in den badischen Staatsdienst. Bereits nach seinem zweiten Staatsexamen bewarb er sich fr den Dienst im Auswrtigen Amt der Reichsregierung. Zuvor jedoch promovierte er und absolvierte eine kaufmnnische Zusatzausbildung in Frankfurt. Im Jahr 1904 begann seine Laufbahn als Diplomat, die ihn in den folgenden zwei Jahrzehnten in mehrere europische und auereuropische Lnder fhrte. Er war Konsul in Paris, Kapstadt, Johannesburg und Sansibar. Dann brachte der Ausbruch des I. Weltkriegs den ersten tiefen Einschnitt in seinem Leben. Im Frhjahr 1916 wurde Kuenzer, der zu diesem Zeitpunkt in diplomatischer Funktion in Bulgarien weilte, whrend einer Zugreise durch Griechenland von britischem Militr verhaftet. Die nchsten drei Jahre wurde er gefangen gehalten, meist auf der Insel Malta. Sein Protest gegen rechtswidrige Anordnungen brachte ihm zahlreiche Repressalien ein, durch die auch seine Gesundheit schweren Schaden nahm. Erst 1919 kehrte er aus der Kriegsgefangenschaft nach Hause zurck.

    Es bedeutete fr den leidenschaftlichen Diplomaten eine beraus enttuschende Erfahrung, dass das Auswrtige Amt nach dem Krieg nicht dazu bereit war, ihm wieder eine angemessene Stellung anzubieten. Nachdem schlielich auch Plne, ihn nach Washington zu beordern, im Sande verliefen, versetzte ihn das Auenministerium am 9. September 1923 in den vorlufigen Ruhestand. Kuenzer wohnte nun zeitweilig wieder in seiner Heimatstadt.
    Nach seiner Heirat leitete er seine zweite berufliche Karriere in die Wege, nunmehr im Rahmen der Partei des politischen Katholizismus und wurde in Berlin Politischer Direktor beim mageblichen Nachrichtenorgan des Zentrums, der Tageszeitung Germania. Der religis geprgte Kuenzer sah sich in diesen Zeiten einer persnlichen Umorientierung vollkommen auf dem sittlichen Boden der katholischen Kirche stehend. Politisch wollte sich der berzeugte Republikaner dem linken Flgel des Zentrums zurechnen. Nach heftigen Auseinandersetzungen mit Franz von Papen, der die Germania politisch auf Rechtskurs bringen wollte, beendete Kuenzer jedoch bereits im September 1927 diese Ttigkeit und arbeitete fortan als Wirtschaftsexperte fr verschiedene Unternehmen sowie seit 1931 als selbstndiger Devisenberater. Hinzu kam von 1925 bis 1930 die Ttigkeit als Herausgeber der Zeitschrift Abendland.
    Innerhalb des Zentrums galt Kuenzer als Experte fr auenpolitische Fragen. Er war ein Befrworter einer europischen Verstndigungs- und Einigungspolitik und untersttzte die neue Vision der Vereinigten Staaten von Europa. Eine so ausgerichtete Friedenspolitik versuchte Kuenzer in diesen Jahren durch vielfltige Initiativen in die Tat umzusetzen. Nicht ohne Kritik aus prominenten Zentrumskreisen trat Kuenzer im Rahmen seiner Ttigkeit im Friedensbund Deutscher Katholiken auch engagiert fr die deutsch-franzsische und deutsch-polnische Verstndigung ein. Es liegt auf der Hand, dass die vielfltigen Friedensbemhungen Kuenzers den Interessen der NS-Machthaber zuwider liefen und sie den unliebsamen Politiker aus dem Dienst drngten. Seine lang whrende Vakanz vom diplomatischen Dienst sowie sein klares Bekenntnis zum Zentrum bewirkten ein briges, dass der 57jhrige im Juli 1933 endgltig in den Ruhestand geschickt wurde.

    Seit Beginn des Dritten Reichs stellte sich der bekennende Katholik dann auch den neuen Machthabern mehr als kritisch gegenber. 1935 kam er zum ersten Mal in grere Konflikte mit dem NS-Unterdrckungsapparat. Unvorsichtigerweise hatte sich Kuenzer bei einer Abendgesellschaft im Beisein eines NSDAP-Mitglieds in abflliger Weise ber den Gtzendienst fr Hitler geuert. Der Denunziation durch den Parteigenossen folgten Ermittlungen, und es war wohl nur der Frsprache eines ehemaligen Kollegen im Auswrtigen Amt zu verdanken, dass Kuenzer zu diesem Zeitpunkt noch einmal ungestraft davonkam. Weitere Anzeigen, sogar aus den Reihen der eigenen Hausangestellten, folgten und machten Kuenzer bei der Gestapo verdchtig. Sptestens seit der zweiten Hlfte der 1930er Jahre stand Kuenzer in Kontakt mit mehreren Widerstandskreisen. So hatte er Kenntnis ber die Umsturzplne fhrender Militrs whrend der Sudetenkrise 1938. Ein Jahr spter stellte Kuenzer fr die Gruppe um Beppo Rmer ein wichtiges Verbindungsglied zu diplomatischen Kreisen dar. Besondere Mglichkeiten erffneten sich ihm, als er in den Jahren 1940/41 noch einmal beauftragt wurde, verschiedene Kurierreisen fr das Auswrtige Amt zu unternehmen. Er ntzte seine Auslandsaufenthalte nicht zuletzt dazu, den Kontakt zum ehemaligen Reichskanzler und Regimegegner Joseph Wirth in dessen Schweizer Exil aufrechtzuerhalten. ber den wrttembergischen Staatsprsidenten Eugen Bolz bestand schlielich sptestens seit 1941 auch eine Verbindung zu den Kreisen um Carl Friedrich Goerdeler.
    Die wichtigste Gruppe, der Kuenzer in dieser Zeit angehrte, war der sogenannte Solf-Kreis in Berlin. Im Hause von Johanna Solf, der Witwe des einstigen deutschen Auenministers Wilhelm Solf, trafen sich vor allem ehemalige Staatsbeamte, um ber die politischen Verhltnisse und die Chancen fr eine Beendigung des NS-Regimes zu diskutieren. Auerdem leisteten die einzelnen Mitglieder tatkrftige Hilfe, Juden die Ausreise aus Deutschland zu ermglichen. Kuenzer galt als der eigentliche Kopf dieser Zusammenknfte.

    Zum Verhngnis wurde Kuenzer seine Bekanntschaft mit dem katholischen Priester Max Josef Metzger, mit dem er ebenfalls im Hause Solf zusammengetroffen war. Die Gestapo hatte Metzger am 30. Juni 1943 verhaftet, weil dieser sich mit einem Friedensmemorandum an das Ausland wenden wollte, was von einer Agentin verraten worden war. Whrend der nun folgenden Verhre kam Metzger auf Kuenzer zu sprechen, der eine Woche nach Metzger, am 5. Juli 1943, festgenommen wurde. Bis zum Februar 1944 war Kuenzer im Hausgefngnis der Gestapo in der Prinz-Albrecht-Strae in Haft. Die mehrfachen mndlichen und schriftlichen Auslassungen seines geistlichen Bekannten ber dessen Kontakte zum Solf-Kreis und zu seiner Person konnten sich nur negativ auswirken, hatte Metzger doch die Strategie gewhlt, sich eindeutig von den aktivistischen Gedanken (Metzger) des Solf-Kreises zu distanzieren. Nachdem im Januar 1944 durch Verrat eines Spitzels auch die brigen Mitglieder dieser Gruppe verhaftet worden waren, wurde Kuenzer gemeinsam mit diesen im Gefngnisbau des Konzentrationslagers Ravensbrck inhaftiert. Dort und in der nahe gelegenen Sicherheitspolizeischule Drgen bei Frstenberg wurde er von nun an mehrfach unter Folter verhrt. Zwei Ravensbrcker Mithftlinge und gute Bekannte Kuenzers, Hanna Kiep und Lagi Ballestrem-Solf, aber auch die sptere Ordensschwester Isa Vermehren berichteten spter von den grausamen Zchtigungen, unter denen der alte Mann damals zu leiden hatte.

    Nach dem Attentat auf Hitler wurde Kuenzer auch mit den Verschwrerkreisen vom 20. Mai 1944 in Verbindung gebracht; man beschuldigte ihn, da er auch gut mit dem nach der Aktion verhafteten Franz Kempner bekannt war, er habe mit einem gewissen Fanatismus einem christlichen Gemeinschaftsleben das Wort geredet und dabei das NS-Regime als ein groes Hindernis zum Frieden betrachtet. Durch seine zahlreichen Kontakte war Kuenzer in den Augen der NS-Behrden gleich mehrfach belastet. Seine Frau Gerda wurde im August 1944 in Potsdam in Sippenhaft genommen. Doch solche Repressalien konnten ihn nicht zum Einlenken bewegen. Bemerkenswerte Widerstandskraft bewies Kuenzer nicht zuletzt dadurch, dass er sogar noch whrend seiner Haftzeit ein fr die Zeit nach dem NS-Regime gedachtes Manifest verfasste, in dem er Hitler jegliche Fhigkeit als Staatsmann absprach. Im Oktober 1944 wurde Kuenzer wieder nach Berlin verlegt. Dort sollte er im Zellengefngnis Moabit in der Lehrter Strae auf den Prozess vor dem Volksgerichtshof warten, der gegen ihn und weitere fnf Mitglieder des Solf-Kreises fr den 13. Dezember 1944 angesetzt war. Erneut kam es zu brutalen Folterungen, fr die u. a. der Gestapo-Kommissar F. X. Sonderegger mit verantwortlich war. Die Aufnahme der Verhandlung war schon wiederholt vertagt worden, als am 3. Februar 1945 Volksgerichtshofsprsident Freisler bei einem Luftangriff umkam. Daraufhin wurde ein neuer Termin fr den 27. April 1945 festgesetzt. Doch zu einem Prozess kam es nicht mehr. Whrend bereits die Kmpfe um Berlin tobten, wurden - wahrscheinlich auf Befehl Himmlers - in der Nacht vom 22. auf den 23. April 1945 insgesamt 16 Hftlinge von einem SS-Kommando aus ihren Zellen geholt. Unter der Vorgabe, dass man sie entlassen wolle, wurden die ahnungslosen Mnner auf ein nahe gelegenes, zerbombtes Ausstellungsgelnde gebracht. Um ein Uhr nachts wurde Kuenzer schlielich zusammen mit den anderen Hftlingen durch Genickschuss umgebracht. Allein der Hftling Herbert Kosney berlebte dieses Massaker und hat die Ereignisse dieser Schreckensnacht berliefert. Kuenzer wurde zusammen mit sieben weiteren Opfern des Massakers sowie anderen Toten erst am 5. oder 6. Mai 1945 heimlich in einem Massengrab auf dem nahe gelegenen Dorotheenstdtischen Friedhof beerdigt. Auf dem Grab erinnert heute eine Gedenktafel an diese Opfer der letzten Kriegstage.

    Zitiert aus: Schellinger, Uwe. Kuenzer, Richard. in: Sepainter, F. L. (2005). Badische Biografien - Neue Folge Band V: Im Auftrag der Kommission fr geschichtliche Landeskunde in Baden-Wrttemberg. W. Kohlhammer Verlag Stuttgart.


    Bestandsgeschichte:
    Der Nachlass wurde im Mrz 2020 dem Stadtarchiv bergeben. Bereits zuvor wurde der Briefnachlass durch Friederike Hoffman-Klein ausgewertet, die Forschungsergebnisse wurden 2019 im Schau-ins-Land Nr. 138 verffentlicht (s. Literaturliste).

    Bearbeiterbericht:
    Der Briefnachlass wurde im Dezember 2023 durch Archivoberinspektor Dominique Maurice Frings in ACTApro verzeichnet. Dabei wurde der Bestand grob erschlossen. Es wird empfohlen die Briefe wie Frau Hoffmann-Klein zu zitieren, also nach Korrespondenzpartner und Datum.

    Verweise und Literatur:

     -200HOFFMANN-KLEIN, FRIEDERIKE: Richard Kuenzer Widerstand aus christlichem Geist. Seine Privatkorrespondenz 1888 bis 1945, S. 87-113 in: Zeitschrift Schau-ins-Land des Breisgau-Geschichtsvereins Nr. 138 (2019)
     Uwe Schellinger, Tod eines "Friedensschtigen". Zur Biographie von Dr. Richard Kuenzer (1875-1945), in: Freiburger Dizesan-Archiv 119 (1999) 427-437
     Uwe Schellinger: Art. Kuenzer, Richard (1875-1945), in: Badische Biographien NF V (2005), S. 165-167


    Freiburg, den 09.01.2024

    Dominique Maurice Frings



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    K1/172 Familie Zimmermann
    K1/5 Eugen von Chrismar
    K1/7 Julius von Eisengrein (nicht mehr belegt)
    K1/8 Josef Fehrenbach
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